31.07.2019

Profiling: der athletische Fingerabdruck

Profiling: der athletische Fingerabdruck

Profiling – ein Begriff, den die meisten wohl mit der Erstellung eines Täterprofils in der Kriminalistik in Verbindung bringen. Doch allgemein ausgedrückt handelt es sich bei Profiling um die nutzbare Erstellung des Gesamtbildes einer Persönlichkeit für bestimmte Zwecke. Und genau das haben die Adler Mannheim in den vergangenen Tagen getan. Die Spieler wurden in Sachen Fitness bis ins letzte Detail getestet.

„Es ist wie ein athletischer Fingerabdruck“, konkretisiert Performance Coach Anton Blessing das, was in den letzten Tagen auf dem Trainingsgelände der TSG Hoffenheim in Zuzenhausen stattgefunden hat. „Wir beginnen mit der Anthropometrie, sprich, der genauen Vermessung jedes Spielers. Körpergröße, Gewicht, aber auch die Arm- und Beinlängen werden notiert und mit den Werten des Vorjahres verglichen.“ Die so erstellte Körperkomposition dient als Grundlage für die individuelle Ausgestaltung der Trainingspläne. „Mit dem Ist-Zustand können wir über die nächsten Schritte zur Leistungsoptimierung entscheiden“, so Blessing weiter.

Neben der körperlichen Zusammensetzung werden jedoch auch jede Menge sportliche Attribute ermittelt. Es wird hoch, weit und seitlich gesprungen. Es werden Klimmzüge gemacht, die Explosivkraft gemessen und ein Kraftprofil erstellt. „Wir schauen uns an, mit welcher Geschwindigkeit der Spieler welches Gewicht bewegen kann, um die vorhandenen Potenziale auszuloten“, erklärt Blessing. Ein Teil der so gewonnenen Werte spielt dabei auch für einen möglichen Rehaprozess im Laufe der Saison eine Rolle. „Mit zwei herausfordernden Übungen können wir nach einer Verletzung ermitteln, wo ein Spieler von seinem Kraftkontrolllevel beziehungsweise seiner funktionellen Beweglichkeit im Vergleich zu Saisonbeginn steht. So lässt sich einfacher eine Aussage darüber treffen, wann der Verletzte wieder aufs Eis zurückkehren kann.“

Psyche als weitere Komponente

Einen weiteren Ansatz verfolgen die Determinations-, Stress-, Persönlichkeits- und Motivtests. Bei all diesen Dingen steht statt der Physis die Psyche der Spieler im Vordergrund. „Auch auf mentaler Ebene kann man trainieren. Manchmal muss man an die Psyche der Jungs, um den nächsten Schritt nach vorne machen zu können“, begründet Adler-Performance-Director Gerrit Keferstein, warum die Cracks eine schnelle Reizverarbeitung, ihre Handlungs- sowie ihre körperliche Koordinationsfähigkeit unter Beweis stellen und diverse Fragebögen ausfüllen müssen.

Wieder ins Schwitzen kommen die Jungs schließlich auf dem Laufband. Beginnend bei 6 km/h steigert sich die Geschwindigkeit alle drei Minuten um 2 km/h. Die Besten halten bis zur 18 km/h-Marke durch. „Wir versuchen, das Energiesystem des Spielers besser zu greifen“, lässt Blessing die Spieler hierfür mit Atemmaske ausstatten und zusätzlich mit Elektroden verkabeln. Dazu wird in jedem Intervall Blut abgenommen und der Blutdruck gemessen. „So bekommen wir einen Eindruck, wie es sich mit dem Sauerstoffhaushalt der Jungs verhält und ab wann der Körper beginnt, saurer zu werden“, hat Blessing hin und wieder ein Auge auf die entsprechenden Werte während der Laufbandeinheit.

Nach rund zwei Stunden wurden genug Daten ermittelt, der athletische Fingerabdruck wurde genommen, das Fitness-Profil für jeden Spieler erstellt. In der Kriminalistik versucht man im nächsten Schritt den Täter zu fassen. Bei den Adlern weiß man jetzt dagegen, welchen Ansatz es braucht, um den nächsten Schritt machen zu können.