24.06.2026

Brown: „Familie steht immer an erster Stelle“

Brown: „Familie steht immer an erster Stelle“

Mit Patrick Brown haben die Adler einen erfahrenen Center verpflichtet. Der 34-Jährige wechselt aus der Organisation der Boston Bruins nach Mannheim. Im Interview spricht der Zwei-Wege-Stürmer über seine besondere Vita, die eishockeygeprägte Familie und ein Ereignis, das ihn in seiner sportlichen Laufbahn emotional besonders gefordert hat.

Patrick, willkommen bei den Adlern. Hattest du vor deinem Wechsel schon einmal von Mannheim gehört?

Tatsächlich konnte ich mich bereits im Vorfeld etwas informieren. Von Ben Smith, der einige Jahre in Mannheim gespielt hat, habe ich viel Gutes über die Stadt, die Menschen sowie die Organisation gehört. Auch Dan Renouf hat mir nur Positives über den Club erzählt. Deshalb hatte ich vor meiner Entscheidung einen sehr guten Eindruck von Mannheim.

Mit Dan Renouf erwähnst du bereits einen deiner neuen Mitspieler. Kennst du weitere Jungs aus dem Team?

Dan kenne ich sehr gut, mit ihm bin ich bis heute befreundet. Wir haben bereits zusammengespielt und auch Titel gewonnen. Außerdem kenne ich Luke Esposito noch aus meiner früheren Zeit am College. Wir sind uns über die Jahre immer wieder begegnet.

Du hast bisher – abgesehen von deiner Zeit bei den Ottawa Senators – ausschließlich für amerikanische Teams gespielt. Nun folgt mit dem Wechsel zu unseren Adlern erstmals der Schritt nach Europa. Wie kam es dazu?

Meine Familie und ich hatten schon länger Interesse daran, einmal in Europa zu leben. Viele Freunde und ehemalige Mitspieler haben diesen Schritt bereits gemacht und ausschließlich positive Erfahrungen gesammelt. Für uns war jetzt einfach der richtige Zeitpunkt gekommen, um ein neues Familienabenteuer zu starten. Gleichzeitig bietet sich hier die Chance, weiterhin auf einem hohen Niveau zu spielen.

In deinem bisherigen Karriereverlauf fällt auf, dass du nach deiner College-Zeit in der NCAA direkt den Sprung in die AHL zu den Charlotte Checkers geschafft und die ECHL damit im Grunde übersprungen hast. Wurde dein Talent also schon früh erkannt?

Ich war körperlich eher ein Spätentwickler. Während viele andere Spieler früh große Entwicklungsschritte gemacht haben, kam das bei mir etwas später. Deshalb war meine Zeit am Boston College enorm wichtig. Dort durfte ich mit einigen außergewöhnlichen Spielern zusammenarbeiten und hatte Trainer, die mich von der Highschool bis ins College hinein begleitet und gefördert haben. Diese Jahre haben mir geholfen, den Sprung in den Profibereich zu schaffen.

Es gibt nur wenige Spieler, die von sich behaupten können, jemals mit ihrem Bruder in einem Team gespielt zu haben. Bei deinem Bruder Christopher und dir war das in der vergangenen Saison bei den Providence Bruins der Fall. Wer konnte mehr vom anderen profitieren?

Das war ein absoluter Traum. Seit wir kleine Kinder waren, haben wir davon geträumt, gemeinsam in einer Mannschaft zu spielen. Über 25 Jahre später ist dieser Traum tatsächlich wahr geworden. Für uns beide, aber auch für unsere Eltern, war das etwas ganz Besonderes. Es gehört definitiv zu den schönsten Erfahrungen meiner Karriere.

Generell stammst du aus einer großen Eishockeyfamilie. Nicht nur dein Bruder spielt Eishockey, auch dein Vater war früher ein erfolgreicher NHL-Spieler. Wann hat er dich zum ersten Mal mit Schlittschuhen aufs Eis geschickt?

Ich stand bereits mit drei oder vier Jahren das erste Mal auf Schlittschuhen. Mit meinem Vater und meinem Onkel habe ich zwei Menschen in der Familie, die selbst Profis waren und genau wussten, was es braucht, um erfolgreich zu sein. Von ihren Erfahrungen konnte ich enorm profitieren.

Du sprichst deinen Onkel Greg an, der unter anderem in Deutschland bei den Kölner Haien gespielt hat. Hast du dich mit ihm schon über das Eishockey hierzulande ausgetauscht?

Er hat mir viel über das Eishockey in Deutschland berichtet – und ausschließlich positive Eindrücke geschildert. Das hat mich in meiner Entscheidung bestärkt und mir das Gefühl gegeben, hier auf eine großartige Eishockeykultur zu treffen.

Dein anderer Onkel, John Kevin Mara, ist ebenfalls eine interessante Persönlichkeit und heute Mitbesitzer des Football-Teams New York Giants. Ich kann mir vorstellen, dass sich bei euren Familientreffen vieles um Sport dreht, oder?

Sport ist definitiv ein großes Thema bei uns. (lacht) Wir verfolgen die New York Giants sehr intensiv und natürlich wird auch viel über Eishockey gesprochen. Gleichzeitig geht es bei Familientreffen vor allem aber darum, Zeit miteinander zu verbringen. Die Familie steht immer an erster Stelle.

Ein schwerer emotionaler Schlag war für dich sicherlich der viel zu frühe Tod der beiden Gaudreau-Brüder, mit denen du am College in Boston zusammengespielt hast. Wie gehst du generell mit solchen Rückschlägen in deinem Leben um?

Das war ein unglaublich schwerer Moment. Johnny und sein Bruder Matthew waren fantastische Menschen, großartige Teamkollegen und außergewöhnliche Spieler. Dass gerade Jonny, der trotz seiner vergleichsweise geringen Körpergröße eine beeindruckende Karriere hingelegt hat, war kein Zufall. Er war einer der härtesten Arbeiter, die ich je kennengelernt habe. Die Nachricht vom Tod der beiden hat mich tief getroffen. Solche Ereignisse erinnern einen daran, wie wichtig Familie und Freundschaften sind. Man sollte die Zeit mit den Menschen, die einem wichtig sind, niemals als selbstverständlich ansehen. 

Warum hast du dich im Laufe deiner Karriere für die Trikotnummer 38 entschieden? Früher hast du auch andere Nummern getragen.

Als Kind war die 23 meine Lieblingsnummer. Im College war diese Nummer allerdings bereits vergeben, weshalb ich andere Nummern getragen habe. Später, während meiner Zeit in Vegas, habe ich zunächst wieder die 23 bekommen. Kurz darauf wurde allerdings Alec Martinez verpflichtet, der die Nummer ebenfalls getragen hat. Daraufhin habe ich die Nummer 38 gewählt, der ich bis heute treu geblieben bin.

Welchen Spielstil verkörperst du auf dem Eis?

Ich sehe mich als klassischen Zwei-Wege-Stürmer. Mir sind die Details meines Spiels sehr wichtig. Ich möchte in allen Zonen Verantwortung übernehmen, Bullys gewinnen, defensiv zuverlässig arbeiten und offensiv Chancen kreieren. Zudem spiele ich auch gerne Über- und Unterzahl, denn Special Teams entscheiden oft Spiele. Natürlich schieße ich auch gerne Tore, aber für mich steht immer der Erfolg der Mannschaft im Vordergrund.

Und wenn du nicht auf dem Eis stehst: Wie verbringst du am liebsten deine Freizeit?

In erster Linie bin ich ein Familienmensch. Meine Frau und unsere Kinder stehen im Mittelpunkt meines Lebens. Wir verbringen viel Zeit miteinander und treiben gemeinsam Sport. Außerdem spiele ich gerne Golf und treffe mich mit Freunden.

Du sprichst deine Kinder an. Was ist schwieriger, Profieishockeyspieler zu sein oder Vater?

Definitiv Vater zu sein. (lacht) Aber gleichzeitig ist es auch die erfüllendste Aufgabe, die es meines Erachtens gibt. Profieishockeyspieler zu werden war immer mein großer Traum, und ich bin sehr dankbar, dass ich ihn leben darf. Beides sind wunderbare Aufgaben.