13.11.2023

Ein Blick auf Europa: SC Rapperswil-Jona Lakers

Ein Blick auf Europa: SC Rapperswil-Jona Lakers

Adler Mannheim gegen den SC Rapperswil-Jona Lakers – so lautet eine der acht Duelle im Achtelfinale der Champions Hockey League. In unserer Rubrik „Ein Blick auf Europa“ stellen wir unseren ersten Gegner der K.-o.-Runde näher vor.

Rapperswil-Jona, eine politische Gemeinde im schweizerischen Kanton St. Gallen, ist nach der gleichnamigen Stadt St. Gallen mit knapp 30.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt des Gliedstaates. Am östlichen Zürichseeufer gelegen ist Rapperswil-Jona aufgrund der wunderschönen Lage am See, der Altstadt und des Knies Kinderzoos ein beliebtes Ausflugsziel.

Dabei existiert Rapperswil-Jona in der heutigen Form erst seit dem 01. Januar 2007. Zwar besaßen die Gemeinden, deren Grenze fließend verlief und aus der Luft kaum auszumachen war, bereits lange vor der Fusion eine gemeinsame Infrastruktur. Doch erst am 30. November 2003 stimmte die Bevölkerung der beiden Ortschaften einer Vereinigung zu, nachdem erste Versuche im Jahr 1999 noch gescheitert waren.

SCR aus der Taufe gehoben

Eishockey wird in Rapperswil-Jona seit 1945 gespielt. Der 17. Januar des besagten Jahres wird in der Clubhistorie als Gründungsdatum aufgeführt. Aktive Spieler waren seinerzeit die ersten „Vereinsvorstände“ des Schlittschuh Clubs Rapperswil (SCR). Ob der schwierigen Witterungsverhältnisse trainierte das Team auf der Dolder-Kunsteisbahn in Zürich, die Spiele wurden aber auf einem zugefrorenen Teil des Zürichssee in der Garnhänke ausgetragen. Ortsansässige Sportbegeisterte fieberten mit und schlossen sich dem Verein an. Rund 1.000 Schaulustige verfolgten in den Anfangszeiten die Spiele des SCR. Es dauerte allerdings ein knappes Jahr, ehe das erste offizielle Spiel bestritten werden konnte. Am 06. Januar 1946 reiste die Mannschaft mit dem Zug nach St. Gallen, die Partie ging mit 4:7 verloren.

Mit dem Gewinn des Schweizer Meistertitels Serie B in der Saison 1950/51 feierte der SCR nur fünf Jahre nach der Gründung einen ersten beachtlichen Erfolg, 1953/54 folgte die Regionalmeisterschaft Serie A, doch zum Aufstieg in die NLB reichte es nicht. Im Entscheidungsspiel unterlagen die Rapperswiler Montana Lausanne denkbar knapp mit 0:1 nach Verlängerung.

Finanziell angeschlagen

Mit der Fertigstellung der ersten Kunsteisbahn in Rapperswil 1961 stiegen auch die Ambitionen. Der Club installierte den damals 37-jährigen Otto Schubiger als Spielertrainer, gleichzeitig wurde der administrative Bereich vom sportlichen getrennt. 1964/65, im 20. Vereinsjahr, stieg der SCR erstmals in die NLB auf, musste aber nur zwei Jahre später wieder den Gang in die Drittklassigkeit antreten. Dass der Abstieg aus der NLB schwerwiegende Folgen hatte, liegt auf der Hand. Ob der finanziellen Schwierigkeiten versuchten die Verantwortlichen, noch mehr Menschen für den Pucksport in Rapperswil zu begeistern und ergänzten schließlich den Clubnamen um den Buchstaben „J“ – ein Bekenntnis zur Gemeinde Jona. Der sportliche Erfolg stellte sich jedoch zunächst nicht ein. Erst im Winter 1976/77 gelang dem SCRJ mit einer ausschließlich aus Spielern aus dem eigenen Nachwuchs gespickten Mannschaft der langersehnte Wiederaufstieg in die Nationalliga B.

Zwar konnte sich der SCRJ in den folgenden Jahren in der zweiten Liga etablieren, der Club hatte aber weiterhin mit Gegenwind zu kämpfen. Der Schweizer Verband drohte, die Spielgenehmigung aufgrund fehlender Überdachung zu entziehen. Um den Spielbetrieb in der Gemeinde zu sichern, kaufte der Club 1984 eine Kunststoff-Traglufthalle, nur drei Jahre später genehmigte die Bürgerschaft den Bau einer Eishalle – „das Lido“ wurde mit einer Kapazität von 4.000 Zuschauern zur sportlichen Kultstätte am Obersee.

Zerwürfnis mit Fans

Zehn Jahre nach der Weichenstellung stieg Rapperswil-Jona in die NLA auf, spielte bis 2015 in der höchsten Schweizer Liga. Während der Erstklassigkeit wurde im Jahr 2000 die SCRJ Sport AG gegründet, 2005 folgte die Umfirmierung in die Lakers Sport AG, die bei vielen eingefleischten Fans für großen Unmut sorgte. Nach der vorerst letzten Playoff-Qualifikation 2008 gerieten die Rapperswil-Jona Lakers ins Straucheln, die sportliche Talfahrt gipfelte letztendlich 2015 im Abstieg in die NLB.

Mit dem „Niedergang“ leiteten die Verantwortlichen einen kompletten Neuanfang ein. Etliche Spieler mussten den Club ebenso verlassen wie ein Großteil der Sportlichen Führung, zudem wurden aus den Rapperswil-Jona Lakers die SC Rapperswil-Jona Lakers. Nur drei Jahre nach dem vollzogenen Umbruch kehrten die Rot-Weiß-Blauen in die erste Liga zurück. Im Aufstiegsjahr schrieb der Club sogar Geschichte: Als erst zweite unterklassige Mannschaft gewannen die Lakers den Schweizer Cup, setzten sich im Finale mit 7:2 gegen den HC Davos durch. Seit der Rückkehr ins Schweizer Eishockey-Oberhaus schaffte der SCRJ einmal den Einzug ins Halbfinale (2020/21), zweimal war im Viertelfinale Endstation (2021/22 und 2022/23).

Durchwachsener Saisonverlauf

Ob sich die Lakers auch im vierten Jahr in Folge für die Playoffs qualifizieren, wird sich zeigen. Die Mannschaft von Cheftrainer Stefan Hedlund belegt aktuell den elften Tabellenplatz, hat nach 21 absolvierten Partien lediglich 24 Punkte auf dem Konto. Dabei haben die Lakers einige klangvolle Namen in ihren Reihen. Roman Cervenka beispielsweise gehört mit seinen 37 Jahren zu den erfahrenen Spielern im Team, hat über 280 Spiele in der multinationalen KHL absolviert. Seit nunmehr acht Jahren spielt der Tscheche, der 39-mal für die Calgary Flames auf dem Eis stand, in der Schweiz. In 332 NLA-Partien gelangen dem Linksschützen satte 373 Punkte (114 Tore / 259 Vorlagen). Auch Victor Rask ist im Eishockeykosmos kein Unbekannter. Für Carolina, Minnesota und Seattle bestritt der 30-jährige Schwede 513 NHL-Spiele.  

Auch in der CHL haben sich die Lakers bislang nicht mit Ruhm bekleckert. Mit neun Punkten aus sechs Vorrundenpartien qualifizierten sie sich als letzte Mannschaft fürs Achtelfinale.

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