Historie

Saison 2025/26

Eine fast perfekte Saison

2025/26

Der Sommer 2025 war in Mannheim von Spannung und großem Interesse geprägt. Nach 13 vermeldeten Abgängen waren die Fans der Adler neugierig, wie sich das Mannschaftsbild verändern würde. Spieler, die während ihrer Zeit in Mannheim zu Identifikationsfiguren geworden waren, galt es zu ersetzen. Der ein Jahr zuvor eingeschlagene Weg des sich wandelnden Clubs setzte sich fort. Einige deutsche Spieler kamen bereits im Frühsommer auf dem Trainingsgelände des Mannheimer Hockeyclubs zusammen, um an Kraft, Audauer und Beweglichkeit zu arbeiteten, und bei Kreuzheben, Kniehebeläufe sowie Sprints den konditionellen Grundstein für eine hoffentlich lange Saison zu legen.

Schon anhand der ersten Neuverpflichtungen zeichnete sich ein spielphilosophisches Bild ab. Justin Schütz, Anthony Greco und Zach Solow standen für Geschwindigkeit, Geschicklichkeit und Torgefahr. Die Probleme im Abschluss sollten der Vergangenheit angehören. Mit Schütz wechselte der torgefährlichste deutsche Angreifer der vergangenen beiden Jahre nach Mannheim. Greco hatte seine Qualitäten zuvor in Biel unter Beweis gestellt, während Alex Ehl aus Düsseldorf Schnelligkeit, Umtriebigkeit, Flexibilität und grenzenlose Einsatzbereitschaft mitbrachte. Auch diese Kaderveränderungen passten ins Leitbild des eingeschlagenen Weges.

Mit Solow lotsten die Adler indes ein echtes Energiebündel nach Mannheim. Schon bei der „The Boys are back in Town“-Party brachte der Angreifer die Bühne zum Beben, unterhielt die Menschenmenge auf seine eigene Art und eroberte früh die Fanherzen. Der US-Amerikaner, der 2022 gemeinsam mit Adler-Verteidiger Lukas Kälble bei den Florida Everblades den Kelly Cup gewann, überzeugt durch eine vielseitige, kompakte und energische Spielweise. Zusammen mit Greco und Kris Bennett sollte er eine dynamische Angriffsreihe bilden. 

Neue Gesichter, klare Idee

Auch in der Verteidigung verstärkten sich die Adler gezielt. Nicolas Mattinen, eigentlich schon zur vorvergangenen Saison verpflichtet, kehrte nach einem Jahr in Nordamerika zurück. Der großgewachsene Rechtsschütze hatte in der Saison 2023/24 mit 16 Toren und 30 Vorlagen eine herausragende Spielzeit in Straubing absolviert und war als „Verteidiger des Jahres“ sowie als „Spieler des Jahres“ ausgezeichnet worden. Den Adlern gelang mit ihm ein echter Transfercoup.

Mit Dan Renouf bekam Mattinen einen defensiveren, ebenfalls kanadischen Verteidigungspartner an seine Seite. Der Routinier wechselte von den Scranton Penguins erstmals nach Europa und sollte den Gegnern auf die Nerven gehen sowie vor dem eigenen Tor aufräumen. Für zusätzliche Tiefe stieß Hayden Shaw aus Nürnberg zum Team. Die Youngstars Nick Mähler, Colin Schlenker und Max Calce sollten derweil als amtierende deutsche Nachwuchsmeister den nächsten Schritt gehen und ans Profiniveau herangeführt werden. 

Das erste Wiedersehen

Im Tor begann nach den Abgängen von Felix Brückmann und Arno Tiefensee eine neue Zeitrechnung. Aus dem hohen Norden wechselte mit Maximilian Franzreb einer der besten deutschen Torhüter der Liga in die Quadratestadt. Nach Jahren bei den Fischtown Pinguins Bremerhaven, in denen der 29-Jährige überzeugte und sich stetig weiterentwickelte, war früh eine neue Nummer eins gefunden. Ergänzt wurde das Tandem durch Johan Mattsson. Der Schwede brachte mit 1,93 Metern Gardemaß mit und wusste, wie man Titel gewinnt: Zweimal hatte er bereits die Champions Hockey League gewonnen, mit Frölunda wurde er zudem schwedischer Meister. Um Spielpraxis zu sammeln, wurde Leon Willerscheid früh an die Duisburger Füchse ausgeliehen, mit Kimi Saffran ein zusätzlicher junger Torhüter lizenziert.

Noch bevor die Mannschaft vollständig in Mannheim eintraf, gab es Mitte Juli beim Udo-Scholz-Fest den ersten größeren Berührungspunkt zwischen Fans und Teilen des Teams. Ende Juli waren schließlich alle Spieler zurück. Das Training nahm auch auf dem Eis Fahrt auf, und aus theoretischer Kaderplanung wurde Schritt für Schritt eine Einheit. Auf dem Papier hatten die Adler Geschwindigkeit, Tiefe und Qualität gewonnen. 

Kitzbühel als Grundstein

Zügig ging es ins Trainingslager nach Kitzbühel. Dort zeigte sich früh, dass die Teamchemie nicht nur gesucht, sondern gefunden wurde. Natürlich entsteht eine Mannschaft nicht in wenigen Tagen, doch in Tirol legten die Adler einen Grundstein, der sich später in der Saison in einigen Momenten bewährte. In Gesprächen, Trainingseinheiten, Videoanalysen, gemeinsamen Mahlzeiten und den ersten Spielen wuchs ein Gefühl dafür, wie diese Gruppe miteinander umgehen und Eishockey spielen wollte. Auch abseits des Eises entstanden neue Rituale. So wurde der Song „Bella Napoli“ von Roy Bianco und die Abbrunzati Boys in einer abgewandelten Mannheim-Fassung zum neuen festen Element nach eingefahrenen Siegen. 

In den beiden Vorbereitungsspielen gegen Graz gelangen mit 4:1 und 5:2 zwei Siege. Bereits hier kristallisierten sich Reihen und Paare heraus, die später wichtig werden sollten. Vor allem war zu erkennen, welche Idee Dallas Eakins und sein Trainerteam der Mannschaft mitgeben wollten: viel Tempo, hohe Laufbereitschaft, intensives Forechecking und der Anspruch, dem Gegner mit jedem Wechsel Arbeit aufzuzwingen. Auf der Torhüterposition strahlten Franzreb und Mattsson gleichermaßen Ruhe aus überzeugten mit Beständigkeit. Gleichzeitig wurde sichtbar, dass der Kader in der Tiefe deutlich an Qualität gewonnen hatte. 

Aus wenigen Niederlagen gelernt

Nach dem Trainingslager ging die Vorbereitung in der Schweiz weiter. Bei den Herisau Classics trafen die Adler auf den HC Davos und den HC Ambri-Piotta und mussten sich jeweils knapp mit 3:4 nach Verlängerung geschlagen geben. Auch Niederlagen können in dieser Phase wertvoll sein, wenn sie Erkenntnisse liefern. Die Adler sahen, dass ihr Spiel auch gegen internationale Qualität funktionierte, aber auch, dass kleine Unsauberkeiten sofort bestraft werden konnten. Zum Abschluss folgte ein 4:0 gegen die SCL Tigers aus Langnau, das den guten Eindruck vor dem Ligaauftakt bestätigte.

Natürlich entscheidet eine Vorbereitung weder Hauptrunde noch Playoffs. Und doch konnte man aus diesen Wochen einiges mitnehmen. Die Mannschaft wirkte früh harmonisch, das Tempo passte, und der neue Kader vermittelte den Eindruck, den Weg des Vorjahres nicht nur fortsetzen, sondern weiterentwickeln zu können.

Der perfekte Start

Als die neue Eiszeit am 12. September 2025 mit dem Heimspiel gegen Straubing begann, schwang jede Menge Euphorie mit. Nur acht Sekunden dauerte es, bis Schütz erstmals für die Adler traf. Ein Traumstart für den Neuzugang, die Mannschaft und ein Moment, der symbolisch kaum besser hätte passen können. Mannheim gewann den Home Opener mit 3:0. Ein Shutout zum Start. Ein Statement. Zwei Tage später folgte ein 6:3 in Augsburg, ehe am dritten Spieltag der amtierende Meister aus Berlin in die SAP Arena kam. Auch dieses Spiel wurde zu einem frühen Ausrufezeichen. Die Adler besiegten die Eisbären mit 7:1, spielten sich zwischenzeitlich in einen Rausch und zeigten eine Wucht, die man zu diesem Zeitpunkt kaum erwarten durfte. Youngster Calce schrieb sich dabei als jüngster Torschütze der PENNY DEL in die Geschichtsbücher. Doch der sportlich fast perfekte Abend hatte auch eine dunkle Seite. Die Partie war in Teilen überhart geführt. Im zweiten Drittel wurde Luke Esposito von Berlins Yannick Veilleux mit einem unsauberen Check niedergestreckt. Minutenlang blieb Esposito auf dem Eis liegen und sollte den Adlern anschließend über mehrere Wochen fehlen.

Nach dem 2:1 gegen Ingolstadt und dem 3:0 in Dresden hatten die Adler die ersten fünf Saisonspiele gewonnen. Erst am sechsten Spieltag setzte es im Derby gegen Frankfurt nach Verlängerung die erste Niederlage. Zugleich zeigte sich danach ein Muster, das die Mannschaft über weite Strecken der Hauptrunde prägen sollte, nämlich auf Rückschläge Antworten zu finden.

Antworten auf Rückschläge

Diese Antworten fanden die Adler nicht nur von Spiel zu Spiel, sondern oft auch innerhalb einer Partie. Rückstände oder Rückschläge brachten das Team selten länger aus dem Konzept. Mit Systemtreue und unermüdlicher Arbeit fand das Team Wege, Spiele zu drehen oder zumindest wieder offen zu gestalten. Nach der Niederlage gegen Frankfurt gewann Mannheim die ersten vier Spiele im Oktober und stand nach 13 Spieltagen mit nur zwei Niederlagen auf Platz eins. Diese Tabellenführung war das Resultat einer Mannschaft, die nicht nur Talent besaß, sondern bereits ein stabiles Fundament erkennen ließ.

Ende Oktober und Anfang November folgte die erste größere Ergebniskrise. Fünf Niederlagen in Folge gegen Ingolstadt, München, Berlin, Nürnberg und Frankfurt stellten die Adler vor die erste echte mentale Prüfung. Gerade die erneute Derbyniederlage gegen Frankfurt schmerzte. Plötzlich funktionierte manches nicht mehr mit Selbstverständlichkeit, die Leichtigkeit war verschwunden, die Mannschaft musste zeigen, ob sie auch in einer schwierigen Phase bei sich bleiben konnte.

Sie konnte. Nach dieser Serie rehabilitierten sich die Adler eindrucksvoll. In den folgenden neun Spielen gab es nur eine Niederlage, ein knapp verlorenes Duell in Köln auf sehr hohem, fast schon Playoff-Niveau. In diesem Abschnitt blieben die Adler zudem in vier Partien ohne Gegentor und stellten mit einer gegentorlosen Serie von 254 Minuten den eigenen Clubrekord ein. Wieder gab es die passende Antwort auf einen Rückschlag.

Emotionaler Dezember

Anfang Dezember legten die Adler personell noch einmal nach und gaben die Verpflichtung von Brendan O’Donnell bekannt. Der erfahrene Angreifer war in der DEL kein Unbekannter, hatte bereits für die Düsseldorfer EG gespielt und dort seine Qualitäten als torgefährlicher und physisch präsenter Stürmer gezeigt. Rund um Weihnachten stand die Zeit wie so oft nicht nur im Zeichen des Sports. 

Die Charity-Aktionen der Adler sind längst fester Bestandteil der Saison. Von der Vesperkirche über das Charity Dinner bis zum Spiel der leuchtenden Herzen rückte erneut das in den Mittelpunkt, was den Club über das Eis hinaus ausmacht. Das Spiel der leuchtenden Herzen wurde schließlich auch sportlich ein voller Erfolg. Das erneute Aufeinandertreffen mit den Eisbären war mit besonderer Spannung erwartet worden. Am Ende gewannen die Adler 8:5. 

Zum Jahresabschluss folgten zwei 3:2-Erfolge in Nürnberg und Augsburg. Dazu kam ein Spielertausch mit den Löwen Frankfurt. Kevin Bicker kehrte nach Mannheim zurück, wo er einst im Nachwuchs aktiv war, dafür nahm Eric Uba den umgekehrten Weg in die Mainmetropole. Doch Bickers Saison sollte wenig später aufgrund einer Beinverletzung vorzeitig beendet sein.

Die ewige Nummer 29

Im Februar ruhte der Spielbetrieb in der PENNY DEL wegen der Olympischen Spiele in Mailand und Cortina. Insgesamt nahmen sechs Adler für Team Deutschland am Turnier teil, während die in Mannheim verbliebenen Spieler regenerierten, zeitgleich trainierten, um im Rhythmus blieben. Hierfür bestritten die Adler auch zwei Testspiele in der Schweiz. In Porrentruy unterlagen sie Ajoie mit 2:3, in Langnau gelang ein 4:2-Erfolg.

Das erste Spiel nach der Pause gegen Augsburg wurde gleich emotional – weniger wegen der Partie selbst, sondern wegen des Rahmens. Noch vor Spielbeginn wurde mit einer Bannerzeremonie dem ehemaligen Verteidiger und der Clublegende Denis Reul gedankt. Die ewige Nummer 29 wurde unters Hallendach gezogen und wird bei den Adlern nicht mehr vergeben. Zahlreiche ehemalige Mitspieler und Weggefährten kamen zusammen, um einem Spieler zu danken, der über viele Jahre wie kaum ein anderer für Verlässlichkeit, Härte, Identifikation und Mannheimer Eishockey stand.

Ein vollgepackter März

In dieser Phase wurden zudem zwei weitere Nachverpflichtungen bekanntgegeben. William Worge Kreü und Alexander Ruuttu kamen von Jukurit aus Finnlands höchster Spielklasse neu hinzu. Durch die Olympiapause verdichtete sich der Spielplan in der Schlussphase der Hauptrunde – personelle Entlastung kam gelegen. Gleichzeitig gab diese Phase bereits einen Vorgeschmack auf die Playoffs. Die Intensität stieg, die Ausgänge der Partien wurden enger, jedes Detail gewann an Gewicht. 

Siege gegen Frankfurt, Köln und Ingolstadt kurz vor Hauptrundenende taten deshalb besonders gut. Am letzten Spieltag sicherten sich die Adler im Fernduell mit München und Straubing Platz zwei. Damit buchten sie nicht nur das Heimrecht im Viertel- und Halbfinale, sondern auch das Ticket für die Champions Hockey League in der kommenden Saison. 103 Punkte, Platz zwei, die beste Defensive der Liga und eine Mannschaft, die über Monate ein hohes Grundniveau gehalten hatte, waren Belege für eine sehr gute Hauptrunde.

Nord-Süd-Duell in den Playoffs

In den Playoffs kam es im Viertelfinale zum allersten Mal überhaupt zu einer Serie gegen die Fischtown Pinguins Bremerhaven. Die Adler starteten stark, gewannen die ersten drei Spiele und erzielten dabei jeweils fünf Tore. Spiel vier in Bremerhaven ging allerdings deutlich mit 1:6 verloren, sodass die Seestädter die Serie verlängerten. Im fünften Spiel gewannen die Adler mit 4:3 – der Halbfinaleinzug war perfekt, der nächste Schritt getan.

Im Halbfinale trafen die Adler auf den EHC Red Bull München. Es war bereits die fünfte Playoff-Serie zwischen Mannheim und den Bayern. Wie in den vorherigen Duellen entwickelte sich eine enge, hochklassige Paarung. Sinnbildlich dafür standen die ersten beiden Partien, die in beide Richtungen hätten kippen können und erst in der Verlängerung zugunsten der Adler entschieden wurden. Immer wieder konnten sich die Adler dabei bei Franzreb bedanken, der mit starken Paraden Spiele offenhielt, den Gegner zum Verzweifeln brachte. Weil auch das dritte Halbfinale an die Adler ging, standen die Münchner früh mit dem Rücken zur Wand. Doch ein deutliches 5:1 verlängerte ihre Saison um ein weiteres Spiel in Mannheim, in dem Mannheim mit einem 4:1-Erfolg der Finaleinzug gelang.

Jahrelange Abstinenz endet

Erstmals seit sieben Jahren standen die Adler wieder in einer Endspielserie um die deutsche Meisterschaft. Doch die Finalserie begann bitter. Berlin gewann die ersten drei Spiele und brachte die Adler in eine Lage, aus der in der DEL-Geschichte noch kein Team zurückgekommen war. Die Eisbären waren abgeklärt, effizient und in den entscheidenden Momenten einen Tick besser. Mannheim erspielte sich Chancen, biss sich aber immer wieder an Jonas Stettmer die Zähne aus. Der Berliner Torhüter überragte in der Finalserie wurde später entsprechend zum wertvollsten Spieler der Playoffs ausgezeichnet.

Doch trotz des 0:3-Serienrückstands und eines 1:3 kurz vor Ende von Spiel vier stemmten sich die Adler gegen das Saisonende, glichen noch aus und gewannen schließlich in der Verlängerung mit 4:3. Die Serie war zurück in Mannheim. Doch Berlin blieb sich treu, nutzte seine Möglichkeiten eiskalt und sicherte sich mit einem Sieg in Mannheim den Titel. Für die Adler endete damit am 03. Mai 2026 eine lange, intensive und fast perfekte Saison. Fast perfekt, weil am Ende eben dieser eine Schritt fehlte.

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